Sonntag, 13. November 2011

Stuttgart 21 - Schwabenstreich Volksbefragung, direkte Demokratie und Bürgerprotest in Baden-Württemberg

Stuttgart 21 - Schwabenstreich Volksbefragung, direkte Demokratie und Bürgerprotest in Baden-Württemberg



Motto:

"Der Schiller und der Hegel,
 der Uhland und der Hauff,
 das ist bei uns die Regel,
 das fällt uns gar nicht auf!"

Ja, so kennt man sie, die Schwaben in Baden-Württemberg.
Selbstbewusst sind sie - und sie können alles, außer Hochdeutsch, sagen sie von sich selbst.

Aber stimmt das noch?

Beherrschen die Schwaben auch das folgerichtige Denken, so wie es von schwäbischen Größen der Literatur - und Geistesgeschichte vorexerziert wurde?

Schiller, Hölderlin, Hegel, Schelling, Uhland, Hauff und andere "schwäbische Dichter" waren allesamt aufgeklärte Geister, die hochdeutsch schrieben und trotzdem nach den Gesetzen der Logik dachten,
selbst in der Poesie und im Märchen.

Womit aber werden wir heute konfrontiert?
Mit einer Denkblockade der Berufspolitiker, die bald in eine babylonische Sprachverwirrung führen wird.

JA ist NEIN
und Nein ist JA?

Wem es in Schilda zu langweilig wird, der reise ins Ländle, genauer in die Landeshauptstadt Stuttgart.
Dort ist immer etwas los - heiße Köpfe finden dort Abkühlung, auch durch Wasserwerfer der Polizei,
wenn es den sein muss.

Die Volksbefragung am 27. November 2011 wird den Turmbau zu Babel noch in den Schatten stellen - und die Verwirrung wird groß sein im Schwabenländle, obwohl Schwaben und Alemannen sprachlich nicht zu weit auseinander liegen.

Aber was veranstalten die Politiker - einen Circus, der Schildas Ruhm verblassen lässt?

Mache Leute verstehen nur noch: Bahnhof,
andere begreifen gar nichts mehr!


Wollen wir nun "mehr Demokratie wagen?
Schön und gut - aber wie?



Was bin ich? - ein "Hirsch"?

Selbst der majestätische Hirsch an der Pforte des Schlosses,
eines der Wappentiere Baden-Württembergs (Wappenträger),
ist "gegen" Stuttgart 21.
Ein Witzbold aus der Protestszene hat die richtige Stelle ausgesucht, um die Botschaft zu platzieren.



Vor wenigen Tagen fand ich sie im Briefkasten vor:

Die Einladung des Landes Baden-Württemberg über "Stuttgart 21" im Rahmen einer "Volksbefragung" abzustimmen.

Was war das?
Neue Zeiten? Urdemokratische Gepflogenheiten, wie ich sie bisher nur aus Appenzell in der Schweiz kannte,
nun auch im "liberal" apostrophierten Südweststaat?

Und dies ein Beispiel, gar ein Paradigma für Gesamtdeutschland?


Ich warf einen Blick auf den Auszug aus dem Gesetzestext - und verstand nur:

 "Bahnhof"!

Wofür sollte ich sein - und wogegen?


Der Text - ein Buch mit sieben Siegeln, gerade für Nichtjuristen,
für Baden-Württemberger,
die nun über etwas abstimmen sollen,
was sie überhaupt nicht kennen
oder
was sie nur vom Hörensagen kennen.

Wer ist betroffen?
Wer nicht?

Als die Deutsche Einheit vollzogen wurde,
wurde ich nicht befragt!

Als die gute alte Deutsche Mark als Preis für die Einheit zugunsten der
Hasardeur-Währung "Euro" aufgegeben wurde,
fragte mich auch niemand.

Doch jetzt - soll ich über Stuttgart 21 mitbestimmen, urdemokratisch wie bei Wilhelm Tell?



Quo vadis Stuttgart -

Hoch vom Podest herab blickt Friedrich Schiller,
Schwaben-Dichter und Tell-Schöpfer,
auf das Treiben der Projekt-Befürworter und dessen Gegner.


Um was geht es eigentlich?




Der Bahnhof Stuttgart - ein historischer Kopfbahnhof von Weltformat.



Hauptbahnhof-Detail:

"Der gute Stern" über Stuttgart -

Logo eines Weltunternehmens
und die genaue Uhrzeit:

Es ist noch vor Zwölf.




Der Zufall wollte es, dass ich wieder einmal im Zug saß - auf dem Weg von Bad Mergentheim in die Landeshauptstadt zur Mitgliederversammlung des Deutschen Schriftstellerverbandes (VS) im Ratskeller.

Im Zug, wo man immer wieder Leute trifft, traf ich auf einen alten Bekannten.
Wir sprachen über die anstehende "Volksbefragung" bzw. "Volksabstimmung" und über das 4- Milliarden-Giga-Projekt.

"Fotografiere ruhig auch den Bahnhof", meinte der Bekannte,
ergänzend:
"wer weiß, ob er bald noch steht ...".
Und schau dir die Zelte der Protestler an, gleich neben dem Bahnhof an ..."

Das hatte ich auch so vorgehabt ... und trotz Nebel die Kamera mitgenommen -
die gute Sonne wollte es dann,
dass einiges noch dokumentiert wurde,
dass etwas mehr Wahrheit an den Tag kommt:



Herbst im Park in Stuttgart

Mehrere Hundert Bäume sollen gefällt werden, um das Projekt Stuttgart 21 möglich zu machen.
Aus ökologischer Sicht ist das eine Katastrophe,
denn der alte Baumbestand braucht ein Jahrzehnt, um so nachzuwachsen.  



Der Landtag - hier fallen die politischen End- Entscheidungen nach dem Plebiszit.


Was die Schwarzen und die Roten beschlossen hatten
will
Ministerpräsident Kretschmann
mit seinen Grünen im Bund mit der SPD und dem Volk nun kippen.






Internationaler Protest formt sich -
Das ist kein Ferienlager der Pioniere und Pfadfinder,
 sondern die Heimstätte aufmüpfiger Bürger,
die gegen willkürliche Entscheidungen und vollendete Tatsachen der Politik aufstehen.



Hier sitzt die Stuttgarter Börse
und
hier entfaltet sich die destruktive Macht der Banken, die von Großprojekten immer profitieren.



Das Aufklärungs-Plakat der Umbau-Befürworter.

Sie wollen weiter bauen und gutes Geld,
Milliarden,
dem schon geflossenen hinterherwerfen.
Für die Zukunft, für den modernen Technologie-Standort Stuttgart.
(Argumentation Kanzlerin Angela Merkel)


Das Groß-Projekt polarisiert und spaltet.

Wie soll ich mich entscheiden?

Weshalb sollen alle Wahlberechtigten in Baden-Württemberg entscheiden?

Wer ist wirklich unmittelbar betroffen?

Und sollten nicht nur die Betroffenen entscheiden?

Fragen über Fragen.




Appell an Ministerpräsident Kretschmann (Die Grünen)
das Blatt doch noch zu wenden.
Kann der brav gewordene Revoluzzer aus Sigmaringen den verfahrenen Karren aus dem Dreck ziehen?





In diesen heiligen Hallen winkt vielleicht göttlicher Beistand und höherere Inspiration.


In Stuttgart war viel los am 12. November 2001.

Türken sammelten für die jüngsten Erdbebenopfer in ihrer Heimat,

Exil-Syrer demonstrierten gegen das Blutbad von Diktator Assad
(siehe Blogbeitrag oben)
und Aktivisten klärten überall auf
zu :
Stuttgart 21 - Pro und Contra.


Exil-Syrer demonstrieren gegen die Gewaltherrschaft des Assad-Regimes in Syrien.


Im Ratskeller tagten die Dichter und Denker der Schwaben -
auch im Sorge um diktatorische Verhältnisse in Weißrussland und um den Rechtsruck in Ungarn.

Über den Bahnhof debattierte man dort während meiner Anwesenheit nicht.



Die Lyriker jammerten ... über die fehlenden Leser ... und das fehlende Geld.
Die Proteste vor der Haustür, am Markt, am Königsbau, am Bahnhof
interessierten wohl kaum.
Die Schnauze voll?
Auch von Plebiszit und mehr Demokratie?



Zeltlager wie bei Winnetou -
die Protestbewegung ist quicklebendig und aktiv,
eine Kundgebung jagt die andere ...
und die Betroffenen aus Stuttgart und der Region hören interessiert zu.
Die Entscheidung der Staatsmacht, der früheren konservativen Regierung,
Polizei mit Wasserwerfern gegen friedliche Bürger einzusetzen,
war unklug und hat polarisiert.



Auf dem Rückweg dachte ich noch über viele Dinge nach ... und ich erinnerte mich:

Waren da nicht einmal drei junge Leute, Existenzgründer,
die die Idee hatten,
die Gleise nach unten zu verlegen,
um Raum zu gewinnen für die Stadt Stuttgart?

War es nicht so, dass den drei Existenzgründern das Projekt bald abgeluchst wurde -
für eine Handvoll Dollar?

Zwei Jahrzehnte waren inzwischen ins Land gegangen -
und nun sollte ich von Bad Mergentheim aus entscheiden, was im mehr als 100 Kilometer entfernten Stuttgart getan oder gelassen werden sollte?

Fragen über Fragen!

Den Text zur Volksbefragung finde ich nicht mehr - ich wollte ihn hier eingescannt veröffentlichen.



Die Oper in Stuttgart -

zuletzt sah ich hier Beethovens "Fidelio", eine Oper über  Freiheit und Widerstand.

In diesem heißen Herbst steht "Don Giovanni" auf dem Spielplan - Mozart, doch die Musik spielt anderswo.

Etwas von dem großem Batzen Geld, etwas von dem öffentlichen Anteil an den 4 Milliarden Gesamtkosten, könnten Gesellschaft und Kultur, Schriftsteller, Maler und Musiker gut gebrauchen.


Blick auf den Bahnhof in Stuttgart von idyllischen Schlossgarten aus.
Während meiner Studienzeit in Freiburg und Tübingen kam ich oft hier durch.
Vieles war in der Landeshauptstadt so geblieben, wie ich es einst erlebt hatte, 
auch im Bahnhofsinnern.

Doch konnte ich mir wirklich "ein Bild machen", um vernünftig abzustimmen?

Gute Argumente sprachen für das Ausbau-Projekt,
andere dagegen.

Und die Volksbefragung selbst war an sich auch "richtig", 
im Prinzip,
zugleich war sie aber auch eine Posse,
eine Farce,
Theater auf der Straße,
eine Tragödie mit komischen Zügen.



Der Hauptbahnhof Stuttgart
- von den Wunden, die der Abriss-Bagger am Nordflügel bereits geschlagen hatte, sah ich nichts.

Auf dem Weg vom Ratskeller zum Bahnhof kam ich an der "Stauffenberg - Ausstellung" vorbei. Neugierig warf ich einen Blick in den Raum - er war menschenleer.

Kein Besucher interessierte sich für "Widerstand",
weil das Recht auf Widerstand heute in Deutschland zur Selbstverständlichkeit geworden ist - ebenso wie der hohe Wert Freiheit.

Wir dürfen heute widersprechen, Widerstand leisten und frei abstimmen,
auch in Stuttgart und über die Zukunft von Stuttgart.

Post scriptum:

Nun habe ich den verlegten Zettel zur Volksabstimmung am 27. November doch noch im Papiermüll gefunden und für dieNachwelt gerettet;
hier ist der Text, über den ich und andere entscheiden sollen:




Nach dem Abschluss meiner geisteswissenschaftlichen Studien im Jahr 1991 habe ich weiter studiert, VWL, Psychologie und namentlich 12 Semester Rechtswissenschaft an der Universität Würzburg, so lange, bis der Freistaat Bayern Studiengebühren einführte und ich mir das Weitermachen nicht mehr leisten konnte.

Trotzdem: Die Sache oben verstehe ich nicht - ebenso wie Altkanzler Helmut Schmidt als Volkswirt seine Stromabrechnung nicht verstand.

Ergo entscheide über etwas, was Du nur am Rande über die Medien mitbekommen hast, ohne die Details zu kennen.

Das ist Demokratie - oder Pseudo-Entscheidungsfreiheit.

In Stuttgart habe ich mir ein "Bild gemacht", einen Eindruck erhalten - und bin doch so klug wie zuvor.


Nachtrag vom 18. November 2011.

heute kam wieder Post von Ministerpräsident Kretschmann und seiner grün-roten Landesregierung zum Thema "babylonische Sprach- und Denkverwirrung" bzw. zum Thema Chaos im Zirkus und circulus viciosus.

Ich weiß es nicht - war der Nachtrag so vorgesehen ... oder hat der Aufschrei der Bevölkerung in Baden und Württemberg die nachträgliche Aufklärung provoziert, gar gefordert?

Jetzt liegt eine ganze Abhandlung vor - Plebiszitäres für Einsteiger!

Ministerpräsident Kretschmann will seinen Landsleuten mehr demokratische Kultur beibringen-

einmal Revoluzzer, immer Revoluzzer?

Hier ist das Opus - auch für die Schwaben in Augsburg und Übersee ... und für alle anderen Bundesländer, die mehr Demokratie wagen wollen.

Altkanzler Willy Brandt hätte seine Freude daran ... das schwarz-gelbe Ländle steht Kopf ... und der Hirsch röhrt dem Löwen vor dem Schloss zu:

"Was bin ich?"





Jetzt weiß sicher jeder, wo er sein Kreuzlein zu machen hat.

Bei soviel Aufklärung und Argumentation kommt mir ein Spottgedicht von Nikolaus Lenau in den Sinn,
eines Dichters aus Östereich-Ungarn, der der "schwäbischen Dichterschule " um Uhland, Justinus Kerner und Gustav "Schwab" ( nomen est omen) sehr nahe stand:

Auf einen Professor philosophiae

Seht ihr den Mann mit stäubender Perücke?
Wie sprudelt ihm die hochgelahrte Kehle!
Seht, an der morschen Syllogismenkrücke
Hinkt Gott in seine Welt; die Menschenseele
Ist ewig, denn sie ist aus einem Stücke!

Und daß der Argumente keines fehle,
Hat er ein weises ergo noch gesprochen:
Der Mensch ist frei, die Fesseln sind gebrochen!

Lenau, der oft in Stuttgart weilte, dem "Neste", wie er die Stadt um 1832 empfand,
bezog sich auf den Schulphilosophen an der Alma Mater seiner Zeit -
wie gleichen unsere Politiker den Gauklern des deutschen Idealismus!?

Das Ergo des Herrn Kretschmann aus der Landesregierung fehlt noch -
also packen wir's an,
so oder so!


Wieder zurück in Bad Mergentheim musste ich über einiges nachdenken:

ich, der unmündige Deutsche,
dem man wohl keine politische Reife zutraut ( aus historischen Gründen, das versteht sich),
hätte liebend gern über die "Deutsche Einheit" abgestimmt,
über ein "Europa der Einigung" oder der "Vaterländer",
über die Abgabe von Souveränität an eine intransparente Monster-Kommission,
über ein "Vereintes Europa",
über eine solide, stabile D-Mark oder ein Wackel-Euro mit Enteignungsgarantie
 und kaschierter Inflation
über Globalisierung,
über die Beschränkung der Bankenmacht,
über Systemrelevanz,
über Krieg und Frieden in Namen der Völker Europas,
über kriegerische NATO-Einsätze,
über Ethik und Moral in der bundesdeutschen und europäischen Gesellschaft,
über die Unlust mit Berlusconis in einem Boot zu setzen,
über Korruption und Nepotismus,
über Monopolstrukturen und erpresserische Konzerne,
über das Vertrauen zwischen den Menschen und Staaten,
über den Verlust der Glaubwürdigkeit,
über Werte,
über Freiheit und Menschenrechte,
über die Würde.

Darüber befragte und belehrte mich keiner - aber die "politische Kultur" kommt ja noch,
jenseits des Filzes,
dort, wo der neue Humanismus anfängt.

Zurück zu Stuttgart 21:

Mein Respekt gilt den Aktiven des Widerstands,
die im konkreten Handeln dagegen hielten,
  Kopf und Kragen riskierten,
die im Wassertstrahl des Panzerwagens der Polizei ihr Augenlicht verloren,
die Widerstand auf der eigenen Haut erlebten.

Zur Aufklärung in der Provinz:

In Bad Mergentheim wird auf Plakaten den potenziellen Abstimmen und Wählern
klar gemacht, dass JA Nein ist.

Ein paar Meter weiter verweist ein Plakat auf

Bruno Jonas,
der am 25. November nach Bad Mergentheim kommt,

vielleicht um seine Sicht der Dinge darzustellen.

http://www.bruno-jonas.de/

Ein Bruder Barnabas weiß aus bayerischer Erfahrung heraus natürlich,
dass JA  in Wirklichkeit NEIN bedeutet
und NEIN eigentlich JA.  

Mögen die Politiker bald auch zur höheren Einsicht gelangen.



Kunsttempel - Galerie der Stadt Stuttgart.
Innen ist man liberal - außen eher kleinlich und spröde.




Am Sitz der Weisheit -
Die Alten Griechen befragten das Orakel von Delphi,
wenn es um wichtige, existenzielle Entscheidungen ging.

"Erkenne dich selbst" im Landtag von BadenWürttemberg?
Weit gefehlt!
Politiker wissen immer, was gut und recht ist für das Wohl des Kleinen Mannes.

Ergo kommt die Entscheidung von oben her - auch wenn sie nicht immer weise ist.

Der Fisch stinkt vom Kopf her ... sagt man in einigen Kulturen.




Vox populi - vox dei

- hier ruft der röhrende Hirsch das Volk der Schwaben und Alemannen zur Abstimmung!




Monarchisch absolutistischer Glanz und Gloria -
in der City der Stadt Stuttgart.
Aber:
tempora mutantur ...


Monumental:

Ein Hauptbahnhof derSonderklasse,
der zum Teil niedergerissen werden soll.

Ein zünftiger Schwabenstreich à la Schilda
oder nur bloße Unvernunft?

Deleatur - nach der Maxime und Praxis der Diktatoren auf dem Forum Romanum in Rom
und der Pharaonen im Alten Ägypten.

Bahnhof Stuttgart ... esse delendam.



Tempus fugit - die Stunden eilen ...

um 12 Uhr wird das Mittagessen serviert.
im Rathaus von Stuttgart,
im Keller, wo die Dichter hocken
und im unweiten Landtag der Politikerkaste.

Bei einem Nickerchen im Sessel kommen dann große Gedanken und Visionen
von noch größerer Zukunft und rollenden Rädern unter Sternen.



Einsame Lichtgestalt über den Dächern der Landeshauptstadt Stuttgart -
die Bahn bringt uns den Göttern näher!



Meinungs- und Religionsfreiheit in Deutschland:

In den Straßen von Stuttgart unmittelbar neben dem Rathaus der schwäbischen Metropole -
ein Missionar beim Predigen.
Wer Ohren hat,  der höre

Einsamer Rufer in der Wüste - seine Stimme verhallt wie die Stimmen der Vielen bei "Stuttgart 21".



Für Freiheit und Menschenrechte in Syrien engagierte Bürger am 12. November 2011 in Stuttgart -

Was verbindet diese Menschen mit der "Occupy Wall Street"-Bewegung in New York sowie in den gesamten USA mit den Bürgern neben dem Bahnhofsgelände?

Der legitime Protest in freier Gesellschaft.

Blut floss in den USA erst gestern, noch mehr in Syrien - und leider auch im sonst so friedlichen Ländle, weil der Staat es so will und anordnet.



Detail am "Hirsch" vor dem Schloss - "Nein" zu Stuttgart 21




Er steht noch ... aber wie lange?

"
"Fest gemauert in der Erden
Steht der Bau aus Stein gebrannt.
Balde muss was Neues werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.


Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben.


Zum Werke, daß wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn gute Reden sie begleiten,
Dann fließt die Arbeit munter fort.


So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
Was durch die schwache Kraft entspringt,
Den schlechten Mann muß man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.


Das ist's ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand."


(Frei nach Friedrich von Schiller, Das Lied von der Glocke.)

Mögen die Politiker im Landtag Schillers Worte nachlesen und einiges dabei bedenken bevor sie ihr Schläfchen wagen.

Nachtrag am 28. November 2011:

Nun haben die vielen Ja und Amen-Sager, die sonst immer zustimmen, doch "Nein" gesagt und somit den Weiterbau plebiszitär abgesegnet!

Was Richling dazu meint?
Der Geiz-Appell hat gewirkt:
Wozu 1 500 Millionen einfach wegwerfen, wenn man schlechtem Geld noch gutes hinterherwerfen kann?
Weitere 4 000 - 5000 Millionen?
Unsummen!

Dafür bekommen die Akteure Planungs- und Aktionssicherheit  ... und die Stuttgarter ein babylonisches Bauwerk mit Tiefe.

Die "Demokratie", sagt man, habe durch das Plebsizit neuen Auftrieb bekommen - in der Provinz!
Und im Bund?



Alle Fotos:
Carl Gibson,
Copyright.





















































































Freiheit und Demokratie für Syrien - Anti-Diktator-Assad-Proteste in Deutschland

Es gibt sie seit Monaten auch in Deutschland - die

Proteste für Freiheit und Menschenrechte in Syrien,
in der Hauptstadt Berlin wie auch jüngst in Stuttgart.

Sie sind mehr als berechtigt  -Syrien ist eine der repressivsten Diktaturen in der Arabischen Welt.

Einige Zahlen der öffentlichen Fernsehanstalten unterstreichen das:

Seit dem beginn des Freiheitskampfes der Syrer gegen das Regime von Präsident Assad soll es bis zum heutgen Tag 3 500 Opfer gegeben haben,
Menschen, Oppositionelle, die im Protest gegen ein totalitäres Regime ihr Leben einsetzten und verloren.



Stoppt das Blutbad in Syrien -
Exil-Syrer protestieren lautstark am Markt vor dem Rathaus in Stuttgart.




Ein Megaphon verstärkt die Stimmen der Aufklärer-
am Rande der Veranstaltung werden Flyer gereicht, die über die Aktionen eines Hilfskomitees
 "Help Syrian People" informieren. 

Was weiß man in Deutschland vom Leben der Menschen in Syrien?
Von der Unterdrückung elementarer Freiheiten und Menschenrechte dort?
Nicht viel!



Geheimdienst und Teile der Armee gehen brutal gegen Oppositionelle vor:

Verhaftungen, Folter, Exekutionen.

Wer als Soldat aus der Reihe tanzt,
wer sich weigert, auf das eigene Volk zu schießen,
der ist des Todes.

Die Resonanz der Stuttgarter ist - typisch für andere Deutsche auch - relativ gering.
Weshalb?

Die Bürger derStadt sind mit "Stuttgart 21" beschäftigt,
ein Mega-Projekt, das die Stadt spaltet.
An einer anderen Stelle sammeln Türken für die jüngsten Erdbebenopfer.

Darüber hinaus ist die Medienberichterstattung über die Ereignisse in Syrien recht zurückhaltend.

Mehr zum Protest in Deutschland unter



Weshalb hält sich die Westliche Welt zurück?

Syrien ist aufgrund seiner geopolitischen Lage ein Pulverfass.

Eine Eskalation der Gewalt, Bürgerkrieg und andere unüberschaubaren Entwicklungen  könnten den Staat Israel gefährden.

Deshalb hat der "Schutz der Bevölkerung" vor ihrem Diktator und dessen System für den Westen keine Priorität.

Mit Saddam Hussein und Moammar al Gaddafi wurde ein "kurzer Prozess" gemacht.
Die Machhaber in Tunis und Kairo flohen und gaben auf.
In Syrien aber wird keine NATO eingreifen,
ebenso wenig wie im Jemen.


Inzwischen ist die Arabische Liga bereit, Assads Regime unter Druck zu setzen.
Präsident Assad regiert darauf, indem er den Mob mobilisiert, seine Anhänger, die nun Botschaften stürmen und so zur Eskalation beitragen.

Die Zeit der Diktatoren neigt sich dem Ende zu,
zunächst in Ost-Europa
und nun auch in der Arabischen Welt.

Wenn die Zeichen der Zeit erkannt werden,
bedarf es keiner Waffengewalt um den Status quo zu verändern.
Möge die Einsicht sicht durchsetzen - anders als im Irak oder in Libyen.


Nachtrag am 1 Dezember 2011:

Das Blutbad in Syrien geht weiter.
Die Arabische Liga, EU und USA haben inzwischen den Druck auf  Diktator Assads Syrien erhöht und Sanktionen beschlossen.
Trotzdem macht der Diktator weiter, zynisch und unbeeindruckt, während die Welt - abgelenkt durch die Entwicklungen im Iran - wegblickt.
Syrien ist eben nicht Libyen. Auf eine NATO-Intervention werden die oppositionellen Syrer vergebens warten.

Zweierlei Maß: im Freien Westen und vor allem in der Weltpolitik!
Cui bono?

Nachtrag am 17. Dezember: Das Morden in Syrien geht weiter.


31. Januar 2012:

Das Morden in Syrien geht weiter. Präsident Assad hält zynisch an der Macht fest und geht über Leichen. Die Arabische Liga hat versagt - die UNO ist untätig; die USA agiert nur verbal und Russland hält die schützende Hand über eine Diktatur der übelsten Sorte, weil es Geschäfte machen will, Hunderte Millionen für Waffen, die gegen das syrische Volk eingesetzt werden können. Dürfen wir wegsehen?

7. Februar 2012:

Lizenz zum Töten?

Das Veto Russlands und Chinas im UNO-Sicherheitsrat erinnert an die Tage des Kalten Krieges, an die Konfrontation zwischen Ost und West, an die Auseinandersetzung der Freien Welt mit dem Weltkommunismus. Die noch bestehende Allianz Russland - Syrien ist ein Relikt aus jener Zeit! Alte Seilschaften.
Hinzu kommen Geschäfte in Milliardenhöhe, Waffenverkäufe (Kampf-Flugzeuge)  Russlands an Diktator Assad.

Weshalb legten Russen und Chinesen ihr Veto ein, obwohl Diktator Assad mit nie gekannter Brutalität gegen das eigen Volk vorgeht?
Vielleicht, weil Dikatoren sich immer schon verstanden?
Russland und China müssen ähnliche Unruhen im eigenen Land befürchten, wenn die heimische Opposition das Spiel der Mächtigen nicht länger tolerieren und auf die Barrikaden gehen wird.

Das Morden in Syrien geht weiter, ohne dass es Konsequenzen geben würde.
Der UNO-Generalsekretär ist entsetzt – angeblich schließen die USA und Großbritannien enttäuscht und in Sorge ihre Botschaften in Syrien – die Arabische Liga und die Weltöffentlichkeit sind ratlos.
Assad darf weiter morden, ohne mit einer internationalen Intervention militärischer Art à la Libyen rechnen zu müssen.
Was kann die deutsche Öffentlichkeit tun? Sie kann wach bleiben und – zumindest moralisch – öffentlich dagegen halten.

05.03.2012:
Schutzzone für syrische Opposition und
Bombardierung der Truppen von Diktator Assad durch den Westen

wie von US-Senator McCain gefordert?

Der Schutz, den der Westen der "libyschen Opposition" einräumte, sollte der "syrischen Opposition" nicht versagt bleiben,
aus prinzipiellen Gründen.
Andererseits kann die prekäre geopolitische Lage in Syrien zu einem verheerenden Flächenbrand führen, der die gesamte Region destabilisieren könnte.
Senator McCain, Kriegsheld und Hardliner ist mehr Militär als Diplomat -
doch was nutzt Diplomatie nach mehr als 8000 toten Oppositionellen und einem uneinsichtigen Diktator Assad?

Handeln ist angesagt - sonst führt ein Diktator die Völkergemeinschaft (UNO) erneut ad absurdum.





Fotos: Carl Gibson









Dienstag, 1. November 2011

Ringen um das Kreuz - Natur, Religion, Werte

Ringen um das Kreuz - Natur, Religion, Werte

Gedanken zu
Allerheiligen 2011
und zum Volkstrauertag
nach einem Gang durch
Bad Mergentheim
und einer Relecture der Gedichte Lenaus.



Motto:

Meiner Toten dann gedenk ich,
Wild hervor die Träne bricht,
Und an deinen Busen senk ich
Mein umnachtet Angesicht.


Aus: Nikolaus Lenau, An die Melancholie


"Die Kreuze im Leben des Menschen sind wie die Kreuze in der Musik; sie erhöhen"

Ludwig van Beethoven 


"Hält der Mensch die Blicke himmelwärts,
Und die Arme liebend ausgebreitet,
Um die Welt zu drücken an sein Herz,
Hat er sich zur Kreuzigung bereitet."
 Lenau





Ecce Homo - Memento.
Christus am Kreuz im Arkau-Wald, Bad Mergentheim.




Nikolaus Lenau

Der Vogel auf dem Kreuz

Dort auf dem Kirchhofkreuze sang
Ein Vogel einsam; aber bald
Erhob er sich und schwang
Zurück sich in den grünen Wald.

 
Wie früher aus dem Frühlingschor
Schallt nun sein Lied so frei und wild;
Kein Vöglein noch verlor
Die Stimm am lieben Kreuzesbild.


Lenaus Werk ist Ausdruck eines intensiven Ringens mit dem Kreuz, um das Kreuz
und schließlich - als Vorläufer des Dinoysikers Nietzsche - gegen das Kreuz.



Sühne-Kreuz in Bad Mergentheim vis-à-vis der St. Wolfgangskapelle an der Tauberbrücke.


Manch ein Toter fiel im Kampf um Freiheiten und Bürgerrechte bereits im 16. Jahrhundert zur Zeit der Bauernkriege.

Nach Erhebeungen, Revolten und Sympathie mit den aufrührerischen Bauern mussten die Mergentheimer Bürger, über Jahrhunderte überwiegend Untertanen des Deutschen Ordens, mehrfach Sühnekreuze errichten,
nachdem einige aus ihren Reihen exekutiert worden waren.




Die Kapelle St. Wolfgang in Bad Mergentheim



Blick in die St. Wolfgangskapelle.
Im Hintergrund an der Decke über dem Altar erkennt man die Zahl 1511.
Oben über dem Wappen: das Wappen der Stadt Mergentheim aus jener Zeit.



Aus diesem Wappen aus dem 16. Jahrhundert kristallisierte sich das aktuelle Wappen der Stadt Bad Mergentheim heraus.





In hoc signo ...

Kreuz des Deutschen Ordens in der Schlosskirche in Bad Mergentheim,
ehemalige Residenz des Deutschen Ordens.



Weiteres Sühnekreuz, Standort: Kurpark Bad Mergentheim





Die Tauber in Bad Mergentheim an Allerheiligen 2011





Herbst an der Tauber



Melancholischer Brücken-Heiliger auf der Tauberbrücke in
Bad Mergentheim.


Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen sei inzwischen abgeschafft,
 sagt man.
Doch die Knechtung vieler Menschen durch das Kapital der Mächtigen geht weiter.
Die Gesellschaft ist heute ein Spielball des Kapitals.


Zur verwandten Thematik (Christentum in Taubertal) vgl. auch meinen Blog-Beitrag:



Ob jemand in seiner Entwicklung den Weg zum Kreuz findet und endgültig dabei bleibt
 oder
ob er die Umkehr schafft, die Wende,
das "Zurück zur Natur"
dies entscheidet der Einzelne selbst im Einklang mit seinem Gewissen und seiner Einbettung in kosmischer Harmonie.

Der Tao ist individuell.

Auch ich verehrte einmal das Kreuz,
das Kreuz der Christenheit,
das Malteser-Kreuz des Deutschen Ordens - 
damals in antikommunistischer Opposition während der Ceausescu-Diktatur in Rumänien,
als Kampf-Symbol,
als metaphysisches Gegengewicht zu
Hammer und Sichel .

Vgl. meine Beschreibung aus den Erinnerungen:




bzw.


Jeder muss sein Kreuz tragen, auch in schweren Zeiten.

Die Heuchelei mancher Ehren-Kreuz-Träger ist geblieben:





Mehr über
Nikolaus Lenau
unter
Interpretationen zur Dichtung Lenaus in meinem Werk:
Carl Gibson, Lenau. Leben - Werk - Wirkung.
Heidelberg 1989, 321 Seiten.
Dieses viel zitierte Standardwerk der Lenau-Forschung ist -
laut World Cat Identities und neben einer Studie des Freud Schülers Isidor Sadger über das Liebesleben Nikolaus Lenaus -
das weltweit am meisten verbreitete Werk über den Spätromantiker und Klassiker der Weltliteratur Nikolaus Lenau .
Der leider viel zu früh verstorbene Germanist und Nietzsche-Forscher Prof. Dr. Theo Meyer erkannte in diesem Werk
"einen Markstein der Lenau-Forschung.
Es ist überhaupt die prägnanteste Lenau-Monographie. es dürfte zum Besten gehören, was über Lenau überhaupt geschrieben worden ist."
Das Werk, das mir, dem Autor bisher noch kein Einkommen generiert hat, wurde in acht Teilauflagen gedruckt. Die Leinen-Ausgabe ist seit vielen Jahren vergriffen. Ein Restbestand der kartonierten Ausgabe liegt - ungeachtet anderer Meldungen im Internetbuchhandel - noch vor und kann beim Winter Verlag, Heidelberg bezogen werden.
Trotzdem ist eine grundlegend überarbeitete Neu-Edition dieser Monographie angesagt,
da die Werke und Briefe Lenaus inzwischen in einer historisch-kritischen Ausgabe vorliegen.
Fotos: Carl Gibson
©Carl Gibson


Der bisher an dieser Stelle veröffentlichte Beitrag wurde fünf Jahre lang der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die neue, überarbeitete Text-Fassung ist in dem inzwischen abgeschlossenen Werk enthalten.

Das 521 Seiten umfassende Buch liegt seit dem 20 Juli 2015 vor:
unter dem Titel:


Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca
zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche



Motivik europäischer Geistesgeschichte und anthropologische Phänomenbeschreibung – Existenzmodell „Einsamkeit“ als „conditio sine qua non“ geistig-künstlerischen Schaffens

Mit Beiträgen zu:

Epikur, Cicero, Augustinus, Petrarca, Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Ficino, Pico della Mirandola, Lorenzo de’ Medici, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Savonarola, Robert Burton, Montaigne, Jean-Jacques Rousseau, Chamfort, J. G. Zimmermann, Kant, Jaspers und Heidegger,

dargestellt in Aufsätzen, Interpretationen und wissenschaftlichen Essays

1. Auflage, Juli 2015

Copyright © Carl Gibson 2015

Bad Mergentheim
Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978-3-00-049939-5



Aus der Reihe:
Schriften zur Literatur, Philosophie, Geistesgeschichte
und Kritisches zum Zeitgeschehen. Bd. 2, 2015



Herausgegeben vom
Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, Bad Mergentheim



Bestellungen direkt beim Autor Carl Gibson,

oder regulär über den Buchhandel.

(Der Preis beträgt 55,9 Euro.)

Inhalt des Buches: 

Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca


zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche

Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca
zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche





Das 521 Seiten umfassende Buch ist am 20 Juli 2015 erschienen. 

Carl Gibson

Koryphäen
der
Einsamkeit und Melancholie
in
Philosophie und Dichtung
aus Antike, Renaissance und Moderne,
von Ovid und Seneca
zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche


Motivik europäischer Geistesgeschichte und anthropologische Phänomenbeschreibung – Existenzmodell „Einsamkeit“ als „conditio sine qua non“ geistig-künstlerischen Schaffens


Mit Beiträgen zu:

Epikur, Cicero, Augustinus, Petrarca, Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Ficino, Pico della Mirandola, Lorenzo de’ Medici, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Savonarola, Robert Burton, Montaigne, Jean-Jacques Rousseau, Chamfort, J. G. Zimmermann, Kant, Jaspers und Heidegger,


dargestellt in Aufsätzen, Interpretationen und wissenschaftlichen Essays

1. Auflage, Juli 2015
Copyright © Carl Gibson 2015
Bad Mergentheim

Alle Rechte vorbehalten.


ISBN: 978-3-00-049939-5


Aus der Reihe:

Schriften zur Literatur, Philosophie, Geistesgeschichte
und Kritisches zum Zeitgeschehen. Bd. 2, 2015

Herausgegeben vom
Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, Bad Mergentheim


Bestellungen direkt beim Autor Carl Gibson,

Email: carlgibsongermany@gmail.com

-         oder regulär über den Buchhandel.

„Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit!“ – Das verkündet Friedrich Nietzsche in seinem „Zarathustra“ als einer der Einsamsten überhaupt aus der langen Reihe illustrer Melancholiker seit der Antike. Einsamkeit – Segen oder Fluch?

Nach Aristoteles, Thomas von Aquin und Savonarola ist das „zoon politikon“ Mensch nicht für ein Leben in Einsamkeit bestimmt – nur Gott oder der Teufel könnten in Einsamkeit existieren. Andere Koryphäen und Apologeten des Lebens in Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit werden in der Einsamkeit die Schaffensbedingung des schöpferischen Menschen schlechthin erkennen, Dichter, Maler, Komponisten, selbst Staatsmänner und Monarchen wie Friedrich der Große oder Erz-Melancholiker Ludwig II. von Bayern – Sie alle werden das einsame Leben als Form der Selbstbestimmung und Freiheit in den Himmel heben, nicht anders als seinerzeit die Renaissance-Genies Michelangelo und Leonardo da Vinci.

Alle großen Leidenschaften entstehen in der Einsamkeit, postuliert der Vordenker der Französischen Revolution, Jean-Jacques Rousseau, das Massen-Dasein genauso ablehnend wie mancher solitäre Denker in zwei Jahrtausenden, beginnend mit Vorsokratikern wie Empedokles oder Demokrit bis hin zu Martin Heidegger, der das Sein in der Uneigentlichkeit als eine dem modernen Menschen nicht angemessene Lebensform geißelt. Ovid und Seneca verfassten große Werke der Weltliteratur isoliert in der Verbannung. Petrarca lebte viele Jahre seiner Schaffenszeit einsam bei Avignon in der Provence. Selbst Montaigne verschwand für zehn Jahre in seinem Turm, um, lange nach dem stoischen Weltenlenker Mark Aurel, zum Selbst zu gelangen und aus frei gewählter Einsamkeit heraus zu wirken.

Weshalb zog es geniale Menschen in die Einsamkeit? Waren alle Genies Melancholiker? Wer ist zur Melancholie gestimmt, disponiert? Was bedingt ein Leben in Einsamkeit überhauptWelche Typen bringt die Einsamkeit hervor? Was treibt uns in die neue Einsamkeit? Weshalb leben wir heute in einer anonymen Single-Gesellschaft? Wer entscheidet über ein leidvolles Los im unfreiwilligen Alleinsein, in Vereinsamung und Depression oder über ein erfülltes, glückliches Dasein in trauter Zweisamkeit? Das sind existenzbestimmende Fragen, die über unser alltägliches Wohl und Wehe entscheiden. Große Geister, Dichter, Philosophen von Rang, haben darauf geantwortet – richtungweisend für Gleichgesinnte in ähnlicher Existenzlage, aber auch gültig für den Normalsterblichen, der in verfahrener Situation nach Lösungen und Auswegen sucht. Dieses Buch zielt auf das Verstehen der anthropologischen Phänomene und Grunderfahrungen Einsamkeit, Vereinsamung, Melancholie und Acedia im hermeneutischen Prozess als Voraussetzung ihrer Bewältigung. Erkenntnisse einer langen Phänomen-Geschichte können so von unmittelbar Betroffenen existentiell umgesetzt werden und auch in die „Therapie“ einfließen.

Carl Gibson, Praktizierender Philosoph, Literaturwissenschaftler, Zeitkritiker, zwölf Buchveröffentlichungen. Hauptwerke: Lenau. Leben – Werk – Wirkung. Heidelberg 1989, Symphonie der Freiheit, 2008, Allein in der Revolte, 2013, Die Zeit der Chamäleons, 2014.

ISBN: 978-3-00-049939-5


Inhalt:


Einleitung: „Einsamkeit“ heute – Segen oder Fluch?6
Der Mensch der Single-Gesellschaft – Leben im uneigentlichen Sein?6

Teil I: Griechisch-römische Antike12

1. Waren die heiteren Griechen auch einsam? Das Verständnis von Einsamkeit und Melancholie bei Vorsokratikern und Aristoteles. 12
1.2. Der Melancholiker – ein Genie? - Empedokles, Demokrit und eine nicht authentische, missverstandene Aristoteles-Sentenz  13
1.3. Im Garten des Epikur – Lebe zurückgezogen! Das naturgemäße Leben im Verborgenen. 18
2. Marcus Tullius Cicero - Einsamkeit und Gesellschaft: Musischer Rückzug in den ruhigen Hafen – „otio“ - „Gespräche in Tusculum“  22
3. Ovidius Naso in Verbannung in Tomis, am Schwarzen Meer – Vereinsamung und Melancholie im Spätwerk, in den Elegien „Tristia“ und in den Briefen „Epistulae ex Ponto“. 26
3. 1. „einsam lieg’ ich am Strande des äußersten Endes der Erde“ - Zur Einsamkeit verdammt am Ende der Welt: Ovids melancholische Dichtung vom Pontus26
3. 2. Nemo propheta in patria?32
3. 3. Kummer, „aegritudo“, „mania“, „melankolia“ in Ciceros „Disputationes Tusculanae“ - Bellerophon, der antike Einsame, Unbehauste; Einsamkeit und Melancholie in der mythisch-analytischen Zeitdiskussion. 35
3. 4. Psychosomatik40
3. 5. Das „Schwarze Meer“ und „Tomis“ – antike Unort(e)?43
3. 6. Künstlerisches Schaffen in Einsamkeit an sich und als Selbsttherapie  47
3. 7. Melancholie und Versöhnung – Concordia und Amor fati 54
4. Lucius Annäus Seneca - Lebe zurückgezogen - „solitudine“ und „in otio“  57
4. 1. „exsilium“, Senecas Verbannung auf Korsika – Unfreiwillige, äußere Einsamkeit und innere Freiheit, dargestellt im „Epigramm“  58
4. 2. Existenzbewältigung über Poesie bei Ovid und ethisches Philosophieren bei Seneca  63
4. 3. Ruhe der Einsamkeit - Apathie, Ataraxie, Eudämonie, „constantia“64
4. 4. „De constantia sapientis“ – Die „Unerschütterlichkeit des Weisen“66
4. 5. „Jeglicher Ort ist für den Weisen Heimatland.“ – Oder: „Patria est, ubicumque est bene“  68
4. 6. Senecas Klage als Anklage – Gesellschaftskritik und Dekadenz-Kritik aus der Einsamkeit des Exils heraus in der Auseinandersetzung mit den Tyrannen Caligula und Nero74
4. 7. „De otio“ – Von der „Zurückgezogenheit“; Zwischen stiller Muße (otio) und hektischer Geschäftigkeit (negotio) 77
4. 8. In „secreto“ – „Menschen (…) leisten in der Einsamkeit Größtes“- Ethische Haltung und Charakterbildung entstehen in der Stille der „Zurückgezogenheit“. Die Funktionen des einsamen Lebens und der Nutzen für die Gesellschaft 77
4. 9. Selbsterkenntnis und die Idee des Selbstseins erwachsen dem Alleinsein - Das Existieren in der Eigentlichkeit. Psychologische und soziologische Aspekte erfahrener Einsamkeit 81
4. 10. Die Gefahren des Alleinseins – Einsamkeit als Last 83
4. 11. Das Alleinsein in den eigenen vier Wänden – Chance und Risiko. Freiwilliger Rückzug in die Einsamkeit, statt Weltflucht aus Enttäuschung und Überdruss84
4. 12. Typen und Charaktere – introvertiert oder extrovertiert? Senecas Beschreibung der Melancholie-Symptomatik  86
4. 13. Geselligkeit – Senecas Plädoyer für ein ausgewogenes Wechselverhältnis zwischen freiwilligem Sein in Einsamkeit und sozialem Austausch  90
4. 14. Schöpferische Einsamkeit - Medium des Kreativen91
4. 15. Die Apotheose des einsam-kontemplativen Lebens in der Schrift „De brevitate vitae“, „Die Kürze des Lebens“  93
4. 16. Im „Jetzt“ leben, nicht erst morgen und am Leben vorbei! Hic et nunc und Memento mori! 95
4. 17. Der ruhige Hafen als Endziel - Individuelles Leben oder Massen-Existenz?  97
5. Mark Aurel - Der Weg zum Selbst in Zurückgezogenheit 99
5. 1. Gelebter Stoizismus als Vorbild101
5.2. „Alleinsein“ bei Epiktet – Individualität und Selbsterkenntnis101

Teil II: Vom frühen Mittelalter bis zur Scholastik103

1. „Einsamkeit“ und „Melancholie“ im frühen Mittelalter. Anachoreten im frühen Christentum - „anachoresis“ und „monachoi“. 103
1.1.         Eremitentum und monastisches Leben um 300 – 400 n. Chr. Antonius, (der Ägypter), Evagrius Ponticus und Augustinus: DerWeg zu Gott vollzieht sich in der Einsamkeit 103
1.2. Antonius, der Ägypter – Einsiedlertum, Wüstenspiritualität und Mystik  105
1.3. Aurelius Augustinus in „reiner Einsamkeit“ - „Alleingespräche“ aus Cassiciacum - Früchte des Schaffens in der Einsamkeit des Selbstgesprächs  107
1.4. „Acedia“ seit Evagrius Ponticus, bei Thomas von Aquin und Bonaventura  110
1.5. Die „Wirkscheu“ des Johannes Cassian113
1.6. Thomas von Aquin - Wirkscheu ist Todsünde – Acedia oder „Tristitia“  113
2. Deutsche Mystik115
2.1. Meister Eckhart: Die absolute Freiheit des Gottsuchenden - Der unmittelbare, mystische Weg zu Gott. „Abgeschiedenheit“ und „innerliche Einsamkeit“ neu definiert 115
2.2. In der Abgeschiedenheit – Das Aufgeben des Selbst, das Ledigwerden, als Voraussetzung der Unio mystica und die Gottesgeburt 115
2.3. „innerliche Einsamkeit“ – Zum Wesen der Dinge! 120
2.4. „Unio mystica“ und Buddhismus – Stufen und Wege des Rückzugs aus allgemein philosophischer, christlicher Sicht bzw. aus der Perspektive der Zen-Meditation - Exkurs121
2.5. Heinrich Seuses „Weg in die Innerlichkeit“ und die Beschreibung der Mönchskrankheit (Acedia) in der Schrift „Das Leben des Dieners“  125
2.6. „Das Büchlein der ewigen Weisheit“ - „Wie man innerlich leben soll“, „lautere Abgeschiedenheit“ und Entwerdung (Selbst- bzw. Ich-Auflösung) 129
2.7. Theresa von Avila - „Der Weg zur Vollkommenheit“ und „Die Seelenburg“.

Teil III: Humanismus

1. Francesco Petrarcas Loblieder auf die Einsamkeit. Der zentrale Stellenwert der „Einsamkeit“ im Werk der Humanisten  135
1.1. Zur Vita Petrarcas – Von der Vita activa zur Vita contemplativa im mundus aestheticus  135
1. 2. „De otio et solitudine“ - Von Freiheit (Muße) und Einsamkeit 137
1.3. „De vita solitaria“: Francesco Petrarcas Hymnus in Prosa auf das Leben in Einsamkeit. Die Begründung der Auffassung von der „schöpferischen Einsamkeit” als elitäre Phänomen-Definition139
1.4. „felix solitarius“ contra „miser occupatus“ – besser allein, frei und glücklich als vielbeschäftigt, gestresst und in permanenter Disharmonie – Einsamkeit: die „conditio sine qua non“ einer ethisch fundierten Lebensführung und Existenzbewältigung  141
1.5. Zur Modernität des Existenzmodells „Leben in der Eigentlichkeit“142
1.6. Das schaffende Subjekt … und die Ahnenreihe der Einsamen143
1.7. „Secretum“ – Melancholie und Misanthropie147
1.8. „Gespräche über die Weltverachtung“: Petrarcas negativer Melancholie-Begriff und Dante  148
1.9. Melancholie und Selbst-Therapie – Ist die „unheilvolle“ „Seelenkrankheit“ „Weltschmerz“heilbar?  149
1.10. Dante weist die Muse Melancholie zurück155

Teil IV: Renaissance156

Einsamkeit und Melancholie während der Renaissance in Italien - Die „Saturniker“ des Mediceer-Kreises  156
1. Angelo Poliziano – Der Dichter am Kamin als personifizierte Melancholie und eine Melancholie-Beschreibung im Geist der Zeit. 156
2. Marsilio Ficino – Therapierte Melancholie. Das Bei-sich-Selbst-Sein der Seele führt zu Außergewöhnlichem in Philosophie und Kunst 159
2.1. Marsilio Ficino in freiwilliger Zurückgezogenheit in Carreggi - Einsamkeit als „conditio sine qua non“ des künstlerischen Schaffens  160
2.2. Im Zeichen des Saturn - Marsilio Ficinos Werk, „De vita triplici“, eine Diätetik des saturnischen Menschen. Ficinos astrologisch determinierter, antik physiologischer Melancholie-Begriff. 161
2.3. Definition der Melancholie und des Melancholikers in „Über die Liebe oder Platons Gastmahl“ - Die Liebe als melancholische Krankheit?  163
2.4. Krankheit „Melancholie“ - Therapeutikum Musik166
3. Pico della Mirandolas Entwurf des Renaissancegenies in „De hominis dignitate“ – Von Einsamkeit und Freiheit 167
3.1. Die „dunkle Einsamkeit Gottes“168
3.2. „Die Freiheit des Menschen“ und der „Geniebegriff der Epoche“ in „Oratio“  170
3.3. Die ethisch eingeschränkte Freiheit des Genies und das Humanum als Endziel 172
4. Lorenzo de’ Medicis „melancholische“ Dichtung174
4.1. War der Prächtige ein Melancholiker? Vanitas, Wehmut und Schwermut 175
4.2. Der Typus des „Inamoroso“ als Melancholiker - Liebeslyrik im Sonett 179
4. 3. Melancholia - Lorenzo de’ Medici rezipiert Walter von der Vogelweide  184
5. Die Familie der Melancholiker oder die Metamorphose des sinnenden Geistes zur Plastik und zum Gedicht - Exkurs  186
6. Einsamkeit, Melancholie und künstlerisches Schaffen während der Renaissance in Italien. 189
6.1. Geniale Werke der Einsamkeit bei Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci - Einsamkeit als die künstlerische Schaffensbedingung schlechthin, als „conditio sine qua non“ des kreativen Subjekts. 190
6.2. Michelangelo Buonarroti - „Wer kann, wird niemals willig sein.“ – Individuelle Freiheit und künstlerische Selbstbestimmung  190
6.3. Große Kunst ist gottgewollt 192
6.4. Der Schaffende ist das Maß aller Dinge - oder die Lust, mit dem Hammer neue Werte zu schaffen  194
6.5. Weltflucht und Weltverachtung195
6.6. Der sinnende Melancholiker „Micha Ange bonarotanus Florentinus sculptor optimus“  197
6.7. – „La mia allegrezz’ e la maniconia” – “Meine Lust ist die Melancholie!” – Existenzbewältigung im “Amor fati“ oder eine ins Positive transponierte „Melancholie als Mode“?199
6.8. Hypochondrie und Misanthropie in burlesker Entladung – bei Michelangelo und Leonardo  201
6.9. Michelangelos „Sonette“: Kreationen reiner Eitelkeit?211
7. Leonardo da Vinci – Ein Einsamer, aber kein Melancholiker. Die Wertschätzung der „vita solitaria e contemplativa“. 214
7.1. Leonardo und Michelangelo – ein geistesgeschichtlicher Vergleich. Der verbindende Hang zur Einsamkeit … und viele Kontraste! 222
8. Girolamo Savonarola – Der melancholische Reformator vor der Reformation  225
8.1. Gott geweihtes Leben in stiller Einkehr und früher Protest aus der Klosterzelle  230
8. 2. Zeitkritik und Fragen der Moral in „Weltflucht“ und „De ruina mundi“- Vom Verderben der Welt 231
8.3. Kritik des Christentums sowie des dekadenten Papsttums im poetischen Frühwerk - „De ruina Ecclesiae“ oder „Sang vom Verderben der Kirche“, (1475) 237
8.4. „Poenitentiam agite“! – Buße , Einkehr, Rückbesinnung, Katharsis239
8.5. Savonarolas Humanismus-Kritik und seine Zurückweisung der Astrologie – ist die Philosophie eine Magd der Theologie?  243
8.6. Sozialreformer Savonarola - „De Simplicitate vitae christianae“ - Von der Schlichtheit im Christenleben. 246
8.7. Savonarola setzt politische Reformen durch – Über die demokratische Verfassung in Florenz zum Fernziel der Einheit Italiens  248
8.8. Niccolo Machiavelli und Die Schwermut der Tyrannen250
8.9. Einsamkeit, Kontemplation und rhetorischer Auftritt – Savonarola Volkstribun und Redner nach Cicero?  254
8.10. Einsamkeit und Gesellschaft bei Savonarola255
8.11. Christliche Ethik als geistige Basis der Staatsform – Contra Tyrannis  256
8.12. „Der Tyrann“ trägt „alle Sünden der Welt im Keim in sich“ - Melancholie als Krankheit: Savonarolas Typologie, Definition und Phänomen-Beschreibung des Renaissance-Macht-Menschen und das Primat des Ethos im Leben und im Staat. 259
8.13. Genies des Bösen – Lorenzo de’ Medici und der Borgia-Clan260
8.14. Thomasso Campanellas idealer Gegenentwurf zum Typus des Tyrannen in seiner christlich-kommunistischen Utopie „Città del sole“  263
8.15. Golgatha - Traurigkeit und Verlassenheit in der Todeszelle und auf dem Scheiterhaufen  264
8.16. Hybris und Zuflucht zu Gott – „in Schwermut und voll Schmerz“! 266
8.17. Melancholia - „In te, Domine, speravi“, letzte Einsamkeit und existenzielle Traurigkeit - Hoffnung gegen Melancholie?  268
8.18. Auch Päpste irren! Schweigepflicht, Exkommunikation, Inquisition, Folter – Reformator Savonarola stirbt den Flammentod in Florenz  272
8.19. Giordano Bruno und die Flammen der Inquisition – Der Märtyrer-Tod auf dem Scheiterhaufen wiederholt sich … doch  274
9. Michel de Montaignes Essay „De la solitude“- Das Leben in Abgeschiedenheit zwischen profaner Weltflucht und ästhetischer Verklärung  276
9.1. Süße Weltflucht in den Turm – Melancholie als Habitus276
9.2. War Michel de Montaigne ein Melancholiker?278
9.3. Einsamkeit, ein Wert an sich, ist nie Mittel zum Zweck, sondern immer Selbstzweck. 280
9.4. „Nichts in der Welt ist so ungesellig und zugleich so gesellig als der Mensch“ – Einsamkeit und Gesellschaft 284
9.5. Vanitas - Der Rückzug aus der Gesellschaft ist auch historisch bedingt 289
10. „The Anatomy of Melancholy“ - Der extensive Melancholie-Begriff bei Democritus junior alias Robert Burton  292
10.1. „Elisabethanische Krankheit“ oder „maladie englaise“ – Melancholie als Mode!? Von der Pose zur Posse?  292
10.2. Demokritos aus Abdera – Der lachende Philosoph als Vorbild und Quelle der Inspiration  294
10.3. „sweet melancholy“ - Burtons Verdienste bei der Umwertung und Neuinterpretation der grundlosen Tieftraurigkeit zur „süßen Melancholie“  297
10.4. „Göttliche Melancholie“: „Nothing’s so dainty sweet as lovely melancholy“ - Zur positiven Melancholie-Bewertung vor, neben und nach Burton  302

Teil V: „Einsamkeit“ und Melancholie in der Moderne304

1. Jean-Jacques Rousseau – Alle großen Leidenschaften entstehen in der Einsamkeit. Die Apotheose der Einsamkeit im Oeuvre des Vordenkers der Französischen Revolution304
1.1. Rückzug, „Schwermut“ und „Hypochondrie“304
1.2. „Zurück zur Natur“! im „Discours“ - Plädoyer für das einfache Leben und harsche Gesellschaftskritik. Macht die „Sozialisierung“ den an sich guten Menschen schlecht?306
1.3. Im Refugium der Eremitage von Montmorency: Kult der Einsamkeit – Landleben, Naturgenuss und geistiges Schaffen  308
1.4. „Sanssouci“ – Asyl: Ein Einsamer, Friedrich der Große unterstützt einen anderen Einsamen, den verfolgten Wahlverwandten Jean-Jacques Rousseau312
1.5. „Les Rêveries du promeneur solitaire“ - Träumereien eines einsamen Spaziergängers  314
1.6. Einsamkeit ist im Wesen des Künstlers selbst begründet - «Toutes les grandes passions se forment dans la solitude»! 316
2. Einsamkeit und Gesellschaftskritik im Werk der Französischen Moralisten La Rochefoucauld, Vauvenargues und Chamfort 318
2.1. Rekreation im Refugium – die bücherlesende Einsamkeit des Herzogs La Rochefoucauld  319
2.2. Einsamkeit – Katharsis, Chance und Gefahr 320
2.3. Chamfort - „Vom Geschmack am einsamen Leben und der Würde des Charakters“ - „Man ist in der Einsamkeit glücklicher als in der Welt.“  321
2.4. Abkehr von der Gesellschaft, melancholische Heimsuchungen, Vereinsamung und Menschenhass  323
2.5. „Ein Philosoph, ein Dichter, sind fast notwendig Menschenfeinde“ – Chamforts Rechtfertigung von Misanthropie und Melancholie. 325
3. „Ueber die Einsamkeit“ - Johann Georg Zimmermanns Monumentalwerk aus dem Jahr 1784/85 - Einsamkeit als Lebenselixier – Die Gestimmtheit im deutschen Barock – Inklination zur Melancholie?326
3.1. Von den „Betrachtungen über die Einsamkeit“ zur Abhandlung „Von der Einsamkeit“ – Thema mit Variationen  328
3.2. Die Ursachen von wahrer und falscher Einsamkeit - Müßiggang, Menschenhass, Weltüberdruss und Hypochondrie  330
3.3. „gesellige Einsamkeit“ - eine „contradictio in adjecto“?331
3.4. Aufklärer Immanuel Kant definiert den zur „Melancholie Gestimmte(n)“, „Melancholie“ als „Tiefsinnigkeit“ und die „Grillenkrankheit“ Hypochondrie richtungweisend für die Neuzeit. Exkurs. 333
4. Arthur Schopenhauers „elitäres“ Verständnis von Einsamkeit - nur wer allein ist, ist wirklich frei! 336
4.1. Der Ungesellige - „Er ist ein Mann von großen Eigenschaften.“338
4.2. Die „Einsamkeit ist das Los aller hervorragenden Geister“ - Ist der Mensch von Natur aus einsam? Ist „Einsamkeit“ ein Wert an sich?  341
4.3. Das Sein in der Einsamkeit als existenzielles Problem - Einübung in die zurückgezogene Lebensführung. 343
5. Lenau, Dichter der Melancholie. „Einsamkeit“ und Schwermut (Melancholie) im Werk von Nikolaus Lenau – Anthropologische Phänomenbeschreibung und literarisches Motiv345
5.1 Lenaus Verhältnis zur Philosophie. Entwicklung und Ansätze346
5.2. „Einsamkeit“ und „Vereinsamung“ als existenzielle Erfahrung351
5.3. Nikolaus Niembsch von Strehlenau, genannt „Lenau“ vereinsamt in Wien  352
5.4. Das „melancholische Sumpfgeflügel der Welt“ - Vereinsamt in Heidelberg und Weinsberg. Therapeutikum Philosophie: Lenau setzt der „Seelenverstimmung“ die „Schriften Spinozas“ entgegen! 357
5.5. Amerika – Lenaus Ausbruch in die Welt der Freiheit 358
5.6. Schwermut und Hypochondrie – Therapeutikum: Philosophie und Sarkasmus  359
5.7. „Einsam bin ich hier, ganz einsam. Aber ich vermisse in meiner Einsamkeit nur dich.“  361
5.8. „wahre Menschenscheu“ - „Die Geselligkeit“ „ist ein Laster“ - „Mein Leben ist hier Einsamkeit und etwas Lyrik.“  362
5.9. Die „äußere Einsamkeit“– Vom „Locus amoenus“ zum „Locus terribilis“  364
5.10. Situation und Grenzsituation – präexistenzphilosophisches Gedankengut bei Lenau auf dem Weg zu Karl Jaspers. Exkurs. 366
5.11. „Einsamkeit“ als ontische Dimension - Menschliches Dasein ist nicht Gesellig-Sein – Mensch-Sein bedeutet ein Sein in Einsamkeit. 371
5.12. „Einsame Klagen sinds, weiß keine von der andern“ - Monologische Existenz in dem existenzphilosophischen Gedicht „Täuschung“  372
5.13. In „dunklen Monologen“ - „Jedes Geschöpf lebt sein Privatleben“ - Mitsein in existenzieller Gemeinschaft erscheint unmöglich  375
5.14. „O Einsamkeit! Wie trink ich gerne / Aus deiner frischen Waldzisterne!“ Dionysisch „zelebrierte Einsamkeit“ im Spätwerk  377
5.15. „Der einsame Trinker“ - Das dionysische Erleben der Einsamkeit im Fest 379
5.16. „Fremd bin ich eingezogen/Fremd zieh ich wieder aus“ - Der „Unbehauste“, ein „Fremdling ohne Ziel und Vaterland“  381
5.17. „Nun ist’s aus, wir müssen wandern!“ - In-der-Welt-Sein ist Einsamkeit 383
5.18. Lenaus melancholische Faust-Konzeption - „metaphysische Vereinsamung“. 388
5.18.1. Der „Unverstandene“, das ist der „Einsame“. 388
5.18.2. Endlichkeit und Ewigkeit 390
5. 18. 3. Die Geworfenheit des existenziellen Realisten „Görg“392
5. 18. 4. Das Unbewusste als Antrieb - Die tragisch konzipierte Faust-Figur in Disharmonie mit dem Selbst und in der Uneigentlichkeit 393
5.18.5. Gott ist tot - existenzielle Exponiertheit des metaphysisch Vereinsamten vor Nietzsche und Rilke  397
5.19. Im dunklen Auge – ein „sehr ernster, melancholischer Knabe“„hochgradig zur Melancholie disponiert“  und hinab gestoßen in die „Hohlwege der Melancholie“„Mein Kern ist schwarz, er ist Verzweiflung.“ – Melancholie-Symptomatik und Definitionen der Krankheit bei Lenau  403
5.20. „Lieblos und ohne Gott! Der Weg ist schaurig“ – „Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig.“ „Melancholie“ und „absolute Vereinsamung“ in Lenaus Doppelsonett „Einsamkeit“408
5.21. Der Werte-Kampf in Lenaus Ballade „Die nächtliche Fahrt“ - Von darwinistischer Selektion über den „Kampf um das Dasein“ nach existenzphilosophischen Kategorien zur Ethik des Widerstands im Politischen - Exkurs  424
5.21.1. Wettkampf und Werte-Kampf 431
5.21.2. Lenaus Imperialismus-Kritik in seinem „anderen“ Polenlied433
5.21.3. Ethik des Widerstands - Der Existenz-Kampf der Individuen entspricht dem Souveränitätsstreben der - tyrannisierten - Völker 434
6. Friedrich Nietzsche, der einsamste unter den Einsamen? Absolute Einsamkeit, extreme Vereinsamung und schwärzeste Melancholie  436
6.1. Wesensgemäße Daseinsform und  Schaffensbedingung der Werke der Einsamkeit. 437
6.2. „Also sprach Zarathustra“ - Nietzsches großer „Dithyrambus auf die Einsamkeit“  438
6.3. Strukturen der „Einsamkeit“ in „Also sprach Zarathustra“439
6.4. „Fliehe, Fliehe mein Freund, in deine Einsamkeit!“ - „Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt.“  442
6.5. Die Auserwählten – Nietzsches kommende Elite: Der „Einsame“ als Brücke zum Übermenschen  444
6.6. Der Einsame – das ist der Schaffende! „Trachte ich nach Glück? Ich trachte nach meinem Werke!“  446
6.7. Nietzsches „Nachtlied“ - das einsamste Lied, welches je gedichtet wurde! 447
6.8. „Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit!“449
6.9. „Jede Gemeinschaft macht irgendwie, irgendwo, irgendwann – ‚gemein’“ – Zum Gegensatz von individuellem Leben in Einsamkeit und gesellschaftlichem Massen-Dasein. 451
6.10. „Einsam die Straße ziehn gehört zum Wesen des Philosophen.“ Fragmentarische Aussagen zur „Einsamkeit“  453
6.11. Therapeutikum Einsamkeit – schlimme und gefährliche Heilkunst! „In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.“454
6.12. Die „siebente letzte Einsamkeit“ - Nietzsches „Dionysos-Dithyramben“  456
6.13. „Vereinsamt“ – Düstere Melancholie und metaphysische Verzweiflung  458
7. „Einsamkeit“ bei Jaspers und Heidegger - Exkurs463
8. Der „Neue Mensch“ – eine Konsequenz der Einsamkeit? „selbstestes Selbst“ und Apologie des Selbst bei Lenau und Nietzsche - Exkurs  466
8.1. Die Suche nach dem „Humanum“ – Absage an den Irrweg „Übermensch“  468
8.2. Lenaus „Homo-Novus-Konzeption“ nach Amalrich von Bene470
8.3. „Idemität“ und „Konkreativität“ – Der „menschliche Mensch“! Zur Strukturanthropologie Heinrich Rombachs. Exkurs  473

Teil VI: Essays zur Thematik und kleine Beiträge476

9. Stufen der Einsamkeit – Auf dem Weg vom Alleinsein in die Vereinsamung, Melancholie und Verzweiflung – Zur Metamorphose eines anthropologischen Phänomens476
9.1. Von der existenziellen Situation „Einsamkeit“ zum Krankheitsbild „Melancholie“ in der Erscheinungsform „Acedia“ und Hypochondrie  480
9.2. Melancholie als Charakteristikum des genialen Menschen. 482
9.3. Die Phänomene „Einsamkeit“, „Alleinsein“, „Vereinsamung“ und „Melancholie“ („Schwermut“, „Depression“) – im Wandel der Zeiten: Anthropologische Konstanten und Grundbefindlichkeiten des Daseins oder zeitbedingte Entwicklungsphänomene? Zur Begriffsbestimmung. 484
9.4. Strukturen der Einsamkeit - Zum Bedeutungswandel der Begriffe Einsamkeit und Melancholie durch die Zeiten  494
9.5. Existenzbewältigung: Angewandte Philosophie in philosophischer Praxis – Zur Konzeption und Intention der Studien zur Einsamkeit. 497
9.6. Zur Einsamkeit verflucht? – Alleinsein zwischen gesellschaftlicher Pest und segensreicher Schaffensbedingung –Selbsterfahrungen und Autobiographisches503
9.7. Das Existenzmodell „Alleinsein“ zwischen Weltflucht und verklärender Utopie: Abgeschiedenheit, Einkehr, Selbstfindung, Eigentlichkeit - Selbst erfahrene und selbst beobachtete Phänomene – Einsamkeit, ein Zeitproblem?  506
9.8. Ein Einsamer von heute – In memoriam Theo Meyer513


Nachwort: 514
Inhalt: 517
Namenregister: 517
Bibliographie539
Primärliteratur 539
Anthologien, Aufsatz-Sammelwerke zur Thematik: 539
Sekundärliteratur: 539
Bilder-Verzeichnis: 539
Bücher von Carl Gibson539